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Designliteratur: Häuser des Jahres

Bücher über Architektur sind nicht gerade eine Seltenheit auf dem Markt. Da bedarf es besonderer Ideen, um sich von der Masse der Publikationen abzusetzen. Der Callwey Verlag aus München versucht es mit „Häuser des Jahres“. Ein Bildband über „die besten Einfamilienhäuser“. Im Rahmen eines Wettbewerbs wählte die übrigens rein männlich besetzte Jury um die Herausgeber Gerhard Matzig und Wolfgang Bachmann 50 Entwürfe aus. Die Kriterien dafür bleiben indes im Dunklen. Wie es zu dem 1. Preis, den 3 Auszeichnungen und den restlichen Anerkennungen kam, darüber kann der Leser nur spekulieren. Einzig zum Sieger und dem Folgetrio gibt es Urteile der Jury. Doch die Einleitung von Gerhard Matzig kann darüber hinwegtrösten. Erfrischend selbstironisch betrachtet er darin seine Rolle als Juror, die klischeehafte Sprache von Architekten und ihr oft eitles Selbstverständnis, das wesentlich zur alltäglichen Entfremdung zu den Bauherren (was für ein Wort) beiträgt. Und eben auch mitverantwortlich ist für die Monotonie der Gebäude des privaten Gebrauchs. Als Gegenentwurf versteht sich nun „Häuser des Jahres“.

Alle ausgesuchten Entwürfe werden schematisch präsentiert. Ein kurzer Text verortet die An-, Neu- und Umbauten. Liefert eine Beschreibung der Umsetzung der Vorgaben, Bauweise, Materialien und wie sie auf die Umgebung bzw. die Bedürfnisse der Auftraggeber eingehen. Gerade letzterer Punkt hätte in Bezug auf das Vorwort aber ausführlicher beschrieben sein können, um so die Lösungen der gestellten Aufgaben zu thematisieren. Ein Vorher-Nachher wäre aufschlussreich gewesen, die Gedankengänge der Architekten nachzuvollziehen. Es folgen Fotos der Häuser, die die verschiedenen Gebäudeeinheiten farbig präsentieren. Sachlich, manchmal etwas weichgezeichnet. Auf übermäßige Harmonie in der Bildanordnung wird verzichtet. Manchmal sind Personen zu sehen. Wahrscheinlich eine PR-Entscheidung. Rückt die Bilder dann aber in Richtung Katalog. Abschließend folgen Grundrisse, die jeweiligen Gebäudedaten und Statements der Architekten. Diese sind leider meist nur beliebige Floskeln. Aber immerhin blitzt ab und an auch Kritik an der eigenen Zunft auf.

„Häuser des Jahres“ ist also bestimmt kein großer Wurf in der Gestaltung. Es bringt dem Leser aber herausragende und höchst interessante Architektur nahe. Einblicke in ein Wie-es-auch-sein-kann. Gut für den Kaffeetisch. Manchmal lässt sich sogar in Sätzen wie „Hier wohnt der frisch gewählte Bürgermeister, er hat sich in der ihm anvertrauten Gemeinde ein Haus für seine vierköpfige Familie gebaut“ und „Ein kleines Haus, zweifellos eine Sonderanfertigung für das Wohnen zu zweit“ das Quentchen Humor finden, welches im Schreiben über Architektur so häufig fehlt.

Und ach ja: es sind insgesamt nur zwei Ansichten von Schlafzimmern zu sehen. Ein Schelm, wer den Grund dafür in der Zusammensetzung der Jury suchen würde.

Christian Finkbeiner

Häuser des Jahres Callwey Verlag
Keine Schlafzimmer für die Herren
Häuser des Jahres Callwey Verlag
Die Kriterien der Jury blieben weitgehend im Dunkeln

 

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