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Zur Nachahmung empfohlen – Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit

„Man kann die Welt nicht den Experten überlassen“, sagt die Kuratorin der Ausstellung „Zur Nachahmung empfohlen – Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit “,  Adrienne Göhler.

Ausstellung und Katalog beschäftigen sich in über 40 Exponaten mit der kulturellen und sinnlichen Dimension des Nachhaltigkeitsthemas. Die Ermächtigung über die mutmaßlich technoid geprägte Nachhaltigkeitsdiskussion geschieht durch Do-It-yourself, Recycling, Umformung von Zeichen. Die Positionen aus Kunst, Design, Architektur und technischen Erfindungen reichen von Objekten aus Recyclingprodukten über ein Projekt, das bedürftigen Europäern Patenfamilien in Afrika oder Asien vermittelt, bis hin zu einer schwimmenden Insel, auf der durch körperliche Betätigung sauberes Wasser erzeugt wird.
Die Publikation mit insgesamt 210 Seiten besteht aus dem Katalog der Ausstellungsexponate, einem Lesebuch mit zusätzlichen Texten, einem Malbuch für Flüchtlingskinder (von Hermann Josef Hack) und einer Bauanleitung für Recycling-Geräte (von Christian Kuhtz), das alles hält (ganz Flüchtlingscamp) eine Art Packdecke zusammen. Und ordnet sich damit der improvisierten, provisorischen Recycling-Ästhetik unter, die wohl gerade die Glattheit üblicher Zukunftszenarien ablöst. Das Lesebuch klärt die Herkunft der ökologischen Kunst an Beispielen wie Joseph Beuys und Christo & Jeanne-Claude, sammelt zusätzliche Statements von Umwelt-Aktivisten und -Entrepreneuren und Philosophen wie beispielsweise Peter Sloterdijk zur Begriffsklärung des Modeworts „Nachhaltigkeit“.

Das ist gut, weil es zur kritischen Standortbestimmung beiträgt, nervt aber mitunter durch Betulichkeit, mit der man anstehende Katastrophen serviert bekommt. Die Erkenntnis aus dem Katalog ist letztlich, dass Kunst, die sich mit Umweltthemen beschäftigt, keine Lösungen finden muss wie beispielsweise das Design, sondern Problemfelder fürs große Publikum sinnlich erfahrbar macht. Die Frage, ob es dadurch automatisch gute Kunst ist, tritt selbstlos hinter dieser Vermittlung zurück. Diese soziale Dimension von „zur Nachahmung empfohlen“ ist dann auch der wichtigste Aspekt des Projektes. Ob das gleichzusetzen ist mit der von der Kuratorin ausgerufenen „Krise des Expertentums“, ist die Frage. Denn zur Bearbeitung der Weltprobleme werden neben den Messages aus der Kunst bestimmt auch weiterhin viele Experten gebraucht. Das beste Event-Design zur Didaktik des Themas hat das Projekt durch Ausstellung, Katalog und Diskussionsveranstaltungen in jedem Fall bereits bewiesen. Sollte nachgeahmt werden.

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